Epilepsie beim Hund

Die Geschichten meiner Epilepsie Hunde           
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Sirius
Sirius kam aus einer Racezucht und als ich ihn zusammen mit seinem Bruder Sokrates ins Rudel holte, hatte ich noch nicht viel Erfahrungen in Sachen Epilepsie, Vererbung usw. Ich vertraute voll und ganz den Züchtern. Beide hatten studiert, er sogar Medizin und ich war überzeugt: hier bekommst du nur gute Hunde ! Doch kaum waren Sirius und Sokrates zuhause bekam Sirius Anfälle. Ich behandelte Sirius in der ersten Zeit nur homöopathisch, lies ihn aber in der Tierklinik abklären, wo dann auch die Diagnose idiopatische Epilepsie bestätigt wurde. Sofort nahm ich mit den Züchtern Kontakt auf und diese antworteten mir, dass die Tante von Sirius auch Epilepsie habe, aber nur bei sportlicher Belastung. Welch ein Schock, die Epilepsie in der Zucht war bekannt und trotzdem wurde mit dieser Linie weiter gezüchtet. Nach dieser Anfrage habe ich übrigens nie mehr etwas von den Züchtern gehört, es war ihnen egal. Von anderen Hundebesitzern konnte ich später erfahren, dass mit dieser Linie später noch mal 2 Würfe gezüchtet worden sind und dass die meisten Hunde aus diesen Würfen sehr früh bei einem Status Epilepticus verstorben sind. Einfach nur traurig! Wie man sich in Menschen täuschen kann....

Bald kam der Zeitpunkt, wo es mit der Homöopathie nicht mehr reichte und Sirius bekam Phenobarbital, doch trotz dieser Medikation kamen die Anfälle alle 8 bis 10 Tage. Wir liessen das Ganze so ca. 2 Jahre laufen, bis sich die Anfälle verschlimmerten und zu Clusteranfällen wurden, heisst: mehrere Anfälle hintereinander, in manchen Nächten bis zu 20 Stück. Unser Tierarzt setzte verschiedene andere gängige Medikamente ein, die aber schlimme Nebenwirkungen zeigten. Die Anfälle nahmen stetig zu und Sirius kam während dieser Zeit 4 x mal mit einem Status Epilepticus (Anfälle ohne Unterbruch) in die Tierklinik, wo sie ihn wieder stabilisieren konnten.  Dann nahmen wir mit einem Professor der Veterinärmedizin Kontakt auf, welcher sich auf Epilepsie spezialisiert hatte. Ein neues Medikament aus der Humanmedizin wurde beim Sirius eingesetzt und endlich verbesserte sich sein Zustand und wir bekamen 280 anfallsfreie Tage geschenkt! Doch dann stand Weihnachten vor der Türe, ein grosser, geschmückter Tannenbaum stand in der Wohnstube, und vielleicht war es gerade dieses weihnachtliche Glitzern der Kugeln, welches beim Sirius wieder Anfälle auslöste. Wieder fiel er in einen Status Epilepticus, wieder landete er in der Tierklinik und wieder konnte er gerettet werden, doch nun sprach er nicht mehr auf die Medikation an und die Anfälle kamen täglich, bis er in der Nacht zum 1. Februar 2013 erneut in einen Status Epilepticus fiel. Die Tierklinik erreichten wir noch, doch dann nahm Sirius den anderen Ausgang, denn sein Herzchen hörte einfach auf zu schlagen.
Sirius ist trotz dieser schweren Krankheit 9 Jahre alt geworden und wir haben dies alles für ihn gemacht, weil dieser Hund trotz seinen vielen Anfällen ein extremer Lebenswille zeigte und in den anfallsfreien Tagen als Leithund sein Team durch die Wälder zog. Dieser Hund hatte zwei Leben, das als Schlittenhund und jenes mit den Gewittern im Kopf. Während vielen Jahren schlief ich oft in der Wohnstube auf dem Sofa um sofort reagieren zu können, falls Sirius wieder zitternd am Boden lag. Viele schlaflose Nächte gabs wo ich ihn gepflegt habe, bis er wieder zu sich gekommen ist. Dies Alles hat sehr viel Energie gekostet und trotzdem würde ich es wieder machen, denn er war ein wunderbarer Hund, Freund, Kollege... unser Charmeur und Mann von Welt wo in seiner eigenen Welt trotz allem glücklich war.

Zwei Menschen möchte ich hier meinen Dank aussprechen, meinem Mann, der uns finanziell unterstützt hat, denn die 280 anfallsfeie Tagen kosteten uns pro Monat Fr. 700.-- für die Medikation, dazu die vielen Aufenthalte in der Tierklinik, welche ich nie alleine hätte finanzieren können und ein weiterer Dank geht an unseren Tierarzt in der Tierklinik Thun, Dr. Gregor Schmid, der Tag und Nacht für uns da war, Sirius x Mal das Leben gerettet hat und immer bereit war mit mir nach anderen Medikationen und Lösungsansätzen zu suchen, ohne ihn wäre unser Sirius nie 9 Jahre alt geworden. 
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Pegasus
Auch unser Pegaus leidet an idiopatischer Epilepsie, doch bei ihm kam das Ganze viel später. Einer seiner Brüder, welcher nicht bei uns zuhause ist, leidet an Epilepsie seit Geburt. Das war mir bekannt, aber ich dachte, als Pegasus das Alter von 3 Jahren anfallsfrei erreicht hatte, dass dies bei ihm kein Thema sei. Als er 8 Jahre alt war und wir gerade mit dem Gespann zum Training starten wollten, fiel er zu Boden und bekam einen Anfall.  Er konnte sich danach sofort erholen und lief sogar das Training problemlos mit. Ich telefonierte darauf wieder mit unserem Tierarzt doch dieser meinte zuerst: "keine Panik, 1 Anfall ist kein Anfall, melde dich, wenn es wieder vorkommt."

Ein paar Tage später geschah das Selbe wieder beim Trainieren und nun fuhren wir direkt in die Tierklinik, um Pegasus abzuklären. Auch hier fand man nichts, was die Diagnose idiopatische Epilepsie bestätigte. Jedoch sehr ungewöhnlich, dass dies erst im Alter von über 8 Jahren ausgebrochen ist.
Pegasus bekommt Phenobarbital, verträgt dies sehr gut und lebt seit 3 Jahren mit ca 2 Anfällen pro Jahr. Er bekommt zusätzlich Vitalpilze, CBD Tropfen, Bachblüten, wenig Kohlenhydrate, wurde kastriert. Wenn seine Krankheit nicht schlimmer wird, dann sind wir sehr glücklich und können gut damit leben. Eingespannt wird Pegasus jedoch nicht mehr, da er auch an Spondylose leidet. Er geniesst aber lange Spaziergänge und ab und zu eine kleinere Joggingrunde.
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Newton

Der Schockmoment, als mein weisser Freund im Juni 18 plötzlich beim Essen auf die Seite fällt und seine Beinchen umher rudern.... er ist ansprechbar, reagiert mit seinem Blick, aber es ist ihm nicht möglich aufzustehen. Der Spuk dauert 1 bis 2 Minuten, dann steht er auf wie wenn nichts passiert wäre.  Nein, das darf nicht wahr sein, auch Newton ein Epihund? Wieder nehme ich Kontakt auf mit dem Tierarzt und wieder die Antwort: "kein Stress, beruhige dich, 1 Anfall ist kein Anfall..." Zwei Wochen später, wieder nach dem Essen setzt sich Newton hin und er schüttelt seinen Kopf, schaut mich an, kann aber nicht reagieren. Für mich war klar, das sind Petit-mal-Anfälle, epileptische Anfälle, wo das Bewusstsein nicht verloren geht, das Tier aber für einen Moment lang nicht fähig ist, zu reagieren.

Nun stand die Frage im Raum, durch was wurden diese Anfälle ausgelöst? Auch idiopatische Epilepsie oder ein Leberproblem, ein Lebershunt?
Abklärungen in der Tierklinik folgten, die Leber war zum Glück ohne Befund und dann kam die Diagnose idiopatische Epilepsie. Ich liess Newton wie auch Pegasus im Sommer 2018 kastrieren, da auch die Hormone Einfluss auf die Anfälle haben können.

Newton bekommt Vitalpilze, Bachblüten und CBD Tropfen und ist seit Juli 18 anfallsfrei und wir hoffen natürlich sehr, dass dies so bleiben wird.

Ich habe mir die Frage gestellt, warum landen immer wieder Epilepsie Hunde bei mir.... die Antwort einer Kollegin: "weil du damit umgehen kannst"......

Bei der Behandlung der Epilepsie sollte man verschiedene Ansätze ausprobieren, Nahrungsergänzungen, Vitalpilze, Bachblüten, CBD, spezielle Ernährung. Gerne berate ich Sie diesbezüglich, damit es auch Ihrem pelzigen Freund wieder besser geht.

Ein grosses Fragezeichen setze ich an die heutige Hundezucht, es kann doch nicht sein, dass wegen "Schönheit" oder "Schnelligkeit" mit Linien gezüchtet wird wo wissentlich Epilepsie vorhanden ist, dass Inzucht betrieben wird und damit der Genpool immer wie kleiner wird. Es kann doch nicht sein, dass bei Ankörungen eine gewisse Grösse nicht überschritten werden darf und andere, für mich unwichtige Merkmale, eingehalten werden müssen, damit mit Stammbäumen gezüchtet werden darf. Dabei wird oft vergessen, dass sich gesundheitliche Probleme erst nach zwei oder drei Generationen bilden können und dann kommt das grosse AHA.... warum? Von den vielen Qualzuchten wollen wir da gar nicht sprechen...... Mensch, komme endlich zur Vernunft!